{"id":4243,"date":"2026-07-31T14:05:57","date_gmt":"2026-07-31T12:05:57","guid":{"rendered":"https:\/\/solidarity.international\/?p=4243"},"modified":"2026-07-31T14:05:58","modified_gmt":"2026-07-31T12:05:58","slug":"gedanken-ber-solidarit-t-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/solidarity.international\/index.php\/2026\/07\/31\/gedanken-ber-solidarit-t-1\/","title":{"rendered":"Gedanken \u00fcber Solidarit\u00e4t #1"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Thomas Meyer-Falk hat mit uns seine Gedanken zu Solidarit\u00e4t und Knast geteilt:<\/em><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(Gef\u00e4ngnis)Mauern sch\u00fctzen keine Menschen, sie sch\u00fctzen die Verh\u00e4ltnisse!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich habe fast 27 Jahre meines Lebens im Gef\u00e4ngnis verbracht. Elf Jahre davon in Isolationshaft. Drei Jahre lebe ich nun wieder in Freiheit. So habe ich sp\u00fcren gelernt, dass Gef\u00e4ngnisse nicht nur Geb\u00e4ude aus Beton und Stahl sind. Sie sind immer auch Ausdruck einer Gesellschaft, die auf Ausgrenzung setzt, es vor allem die Marginalisierten der Gesellschaft trifft, die dann im Knast anstranden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Schule, in den etablierten Medien, wie auch am Stammtisch (heute sind das die Sozialen Medien) wird erz\u00e4hlt, die Gef\u00e4ngnisse dienten der Sicherheit. Tats\u00e4chlich verwalten sie jedoch das Scheitern dieser Gesellschaft. Sie verwalten und bestrafen Armut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das habe ich in den Gef\u00e4ngnisjahren hautnah erlebt: fast ausschlie\u00dflich begegnete ich Menschen aus prek\u00e4ren Lebensverh\u00e4ltnissen, oftmals noch mit migrantischem Hintergrund. Der zweite wichtige Faktor, der Menschen ins Visier der Justiz geraten l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das sehe ich auch in meinem Alltag nach meiner Entlassung, denn immer wieder sitze ich in Gerichtsverhandlungen um im Anschluss dar\u00fcber zu berichten: fast immer werden Menschen angeklagt und verurteilt, die in Armut zu leben gezwungen sind. Vielfach haben sie einen migrantischen Hintergrund.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Gesellschaft, die Milliarden f\u00fcr Milit\u00e4r, Polizei, Kn\u00e4ste und Abschiebungen ausgibt, aber bei Bildung, Gesundheit und sozialer Teilhabe spart, produziert deshalb genau jene Verh\u00e4ltnisse, die sie anschlie\u00dfend mit dem Strafrecht sanktioniert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es sind die anarchistischen Gefangenen, die daran erinnern, dass Repression immer auch politisch ist. Wer Herrschaft grunds\u00e4tzlich infrage stellt, bekommt die Macht des Staates in besonders nachdr\u00fccklicher Weise zu sp\u00fcren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um so wichtiger ist praktizierte Solidarit\u00e4t: Postkarten und Briefe sind ein erster Anfang. Sie vermitteln Gefangenen, dass an sie gedacht wird, sie nicht vergessen sind. Mir haben die vielen Zuschriften sowie der gedankliche Austausch per Brief, auch wenn er von der Haftanstalt streng \u00fcberwacht wurde, geholfen zu \u00fcberleben. In manchen F\u00e4llen sind sogar Freundschaften daraus erwachsen, die noch heute fortbestehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Internationale Woche der Solidarit\u00e4t erinnert daran, dass wir gemeinsam die Freiheit verteidigen. F\u00fcr und mit den Menschen hinter Gittern. Es ist unsere Solidarit\u00e4t, welche die Isolation durchbricht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deshalb ist die Internationale Woche der Solidarit\u00e4t mit anarchistischen Gefangenen auch viel mehr als eine Geste gegen\u00fcber Einzelnen. Sie ist eine Erinnerung daran, dass Freiheit unteilbar ist. Dass Mauern nicht nur Gef\u00e4ngnisse umgeben. Ich habe nach fast drei Jahrzehnten in Haft erlebt, wie sehr, die \u00e4u\u00dferen Mauern in mich eingedrungen sind, seelisch wie k\u00f6rperlich. Sich anschlie\u00dfend hiervon zu befreien, das ist ein langwierige Prozess- doch gelingt dieser in einem solidarischen Umfeld eher, als in der K\u00e4lte der Einsamkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Mauern werden nicht morgen und auch nicht \u00fcbermorgen verschwunden sein, vermutlich wird es die Internationale Woche der Solidarit\u00e4t noch viele Jahre geben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Manchen Menschen mag es wenig erscheinen was solch eine Soliwoche bewegt. Aber ohne dieses Wenige bleibt alles, wie es ist.<\/p>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Thomas Meyer-Falk hat mit uns seine Gedanken zu Solidarit\u00e4t und Knast geteilt: (Gef\u00e4ngnis)Mauern sch\u00fctzen keine Menschen, sie sch\u00fctzen die Verh\u00e4ltnisse! Ich habe fast 27 Jahre meines Lebens im Gef\u00e4ngnis verbracht. Elf Jahre davon in Isolationshaft. Drei Jahre lebe ich nun wieder in Freiheit. 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